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Umzug

Als ich diesen Blog eingerichtet habe, fiel mir erst lange kein Name ein. "Dunkel-bunt" finde ich immer noch schön, aber mir ist jetzt ein Name eingefallen, der mir besonders gut gefällt: Echtzeitmärchen. Sofern ich nicht zur Quartalsbloggerin verkomme, ist das sogar treffend für mein Tagebuch, finde ich, denn ich sage zwar oft, mein Leben ist wie eine Seifenoper, aber das Wort "Märchen" ist natürlich viel schöner.
Bei der Gelegenheit habe ich dann zu einem Anbieter ohne Werbung gewechselt.

Echtzeitmärchen bei Wordpress ist nun mein neues Notizbuch, ich fühle mich noch recht fremd da, wie nach einem Umzug eben.

Myblog, danke für die schöne Zeit.
18.9.06 20:31


Obwohl diese Woche schon zweimal angekündigt wurde, daß dies der letzte schöne Tag sei,

ist heute schon wieder ein wunderschöner Tag. Sonntag, September, und Wahl. Ich bin leider nicht wahlberechtigt hier und darum auf Gedeih und Verderb dem ausgeliefert, was hier so zusammengekreuzt wird, werde trotzdem aber heute abend vor dem Fenster hängen, entweder allein mit Käse oder mit Freunden und Hund.

Gestern die Abschlußparty des Literaturfestivals Berlin war noch schlechter als die letztes Jahr, letztes Jahr hat es geregnet und war kalt, und alle drängten sich im Zelt um allerdings ziemlich gutes Essen, und die Musik war gut, wenn auch die Stimmung nur in Maßen.
Dieses Jahr gab es gar kein Essen, die Musik brachte bis halb zwölf bloß einen Soundcheck hervor, und wegen des guten Wetters saßen alle verstreut und außeinander. Ein paar Stunden lang war es witzig, aber irgendwann langweilig, und ich war schon recht früh zu Hause, da ich auch schon seit halb drei im Festivalhaus war, weil um drei die Lesung anfing, die sehr gut war - genauso gut wie die Scritture Giovani letztes Jahr. Ich war sehr begeistert. Wobei die Lesung durch Schauspieler unnötig war und eher abgelenkt hat, am besten war der deutsche Text, der von der Autorin selbst vorgetragen war zum Zuhören. Texte leben von ihrer Sprache und von den Worten - die Schauspieler haben mit Gestik, Mimik und Stimme den Inhalt unterstrichen.
Es ist schön, zu hören, daß es heute noch und immer wieder Texte gibt, die als Text leben und nicht nur durch ihren Inhalt, also nicht als Thriller, der sofort verfilmbar wäre - fast alle der Texte waren Thriller, aber bei einer Verfilmung wäre viel verloren gegangen, nämlich ihre Sprache.
17.9.06 14:06


Mittwoch

Diese Septembersonne nenne ich nicht Sommer, sondern genieße sie einfach, wie sie so heiß durch das Fenster auf meine Beine scheint.
Endlich sind die Handwerker weg, und ich habe jetzt einen Tisch am Fenster ohne daß ich das ganze Berliner Zimmer umstellen muß, der Schachtisch aus M. (?) paßt genau dahin, so daß man vom Bett aus daran arbeiten kann.

Gestern ganz lange mit L nach L telefoniert, es ist also nicht so schlimm, daß sie wieder weg ist, manche Sachen kann man am Telefon noch besser bereden, weil A schon im Bett war, mit der ich eigentlich telefonieren wollte und mich für heute abend verabredet habe. A ist die aus meiner Venezuelagruppe mit der ich mich am besten verstanden habe, eine unglaubliche Bereicherung aus einer Kleinstadt in Hessen, blond, Partygängerin, und diese Kleinstadt scheint die Partymeile Deutschlands zu sein, mit einem Herz für Skurrilitäten und einem hervorragenden Auge dafür und überhaupt einem riesengroßen Herzen, ihreszeichens Sonderschulpädagogin in spe.

Das Gruppenbild habe ich jetzt als Bildschirmhintergrund. Am liebsten würde ich es auch noch hier posten, mache das aber aus Gründen der Anonymität nicht, mal abgesehen davon, daß Bilder posten bei mir sowieso fast immer schief läuft.
Heute das Wowerei-Pflüger-Duell auf RBB gesehen - Rhetorik kann er, der Wowereit, und er ist ein Machtmensch, immer am Unterbrechen und Raum einnehmen. Ob wir irgendwann mal eine schwarzgelbe Regierung mit einem Kanzler-Außenminister-Pärchen haben, das auch privat zusammenwohnt?

Ich kann ja leider nicht wählen, da ich im Gauweiler-Bezrk gemeldet bin, von dem mir mein Vater heute erzählt hat, daß er mal den Vorschlag gemacht hat, alle HIV-infiszierten an den Geschlechtsteilen tätowieren zu lassen, damit sie kennlich sind ... und das ist mein Abgeordneter im Bundestag! Wird wirklich Zeit, daß ich umziehe ...
13.9.06 14:13


Das vorhin nur

damit ich mich nicht zur Quartalsbloggerin entwickle, wie Jan im Gästebuch befürchtete, aber eigentlich hatte ich gar nichts zu sagen, und Bilder hochladen kann ich auch immer noch nicht.

Ich habe Bauchweh und Luftmassen bewegen sich durch meine Därme und ich habe Hunger und fühle mich flau und schwach, und wenn die Ergebnisse vom Tropenmeditinischen Institut morgen oder übermorgen da sind und sich herausstellt, daß ich gar keinen Bandwurm (und schon gar keinen mit dem Namen "Wurmi") habe, werde ich mir Sorgen um meine ausgeprägte hypochondrische Ader machen. Ihr dürft mich dann Hypochondi nennen.

Gerade kam ein Gruppenbild von meiner Venezuelareise per email, und ich überlege ernsthaft, es mir als Bildschirmhintergrund einzurrichten, so oft schaue ich es mir an, daß es sich definitiv lohnen würde.

Ich bin glücklich. Ich weiß nicht wieso. immerhin schreibe ich jett erste emails.

Meine beste Freundin fährt morgen wieder aus Berlin weg, das ist traurig. Gestern habe ich noch bei ihr übernachtet und wir haben bis in die Puppen gequatscht, wie mit 15, jedenfalls mindestens genauso gut.

Überhaupt ist vieles wie als ich 15 war. Ich habe mich auf der Reise verliebt und mich da auch ungefähr so verhalten wie mit 15, ich war in so tollen Theaterstücken und Kinofilmen wie als ich 15 war, ich habe mich jeden Tag mit meiner besten Freundin getroffen, und dazwischen waren wir eine Woche zusammen verreist bei einer Tante bei der ich mit 15 war, dort waren wir auch einkaufen, und ich habe einen Wühltisch mit Kindersocken halbiert, wir haben Stoffe zum Nähen gekauft wie damals, und ich habe meinem besten Freund (dem Polizisten) die Freundschaft gekündigt, dramatisch, wie man das mit 15 macht, aber es fühlt sich gut an, nachdem was passiert ist.
Außerdem haben wir gestern Siedler gespielt, und ich habe ganz bitterböse verloren.

Sehr faszinierend, während ich die Würfel weitergab, weil meine Zahlen über Runden nicht gewürfelt und immer nur von mir gezogen waren, fand ich das Bildwörterbuch von der Dudenserie, das ich mir vorher noch nie angeguckt habe. Ich habe nicht verstanden, warum es so was gibt, auch wenn der erste Satz der Einleitung erklärt, das bedürfe in einer derartig medienzentrierten Zeit wie der unsrigen keiner Erklärungen, aber es macht großen Spaß.
11.9.06 21:42


Montag

Leider habe ich es nicht selber erlebt, eine Freundin hat es mir nur gerade erzählt: Schuhladen, Kudamm.
"Ich wollte Schuhe und keene Schnürchen" (sagt eine Frau beim Anblick von Riemchensandalen deluxe).

Am Samstag war ich in der Glasmenagerie von T Williams am Deutschen Theater, und es hat mir sehr gut gefallen. Jutta Wachowiak ist noch besser als sie es schon immer war, die Inszenierung ist nett mit den Rebellenliedern der 60er und 70er die durch die vorbildlcihe Reihenhauskulisse des Mittleren Westens hallen, und die Glastiere aus Eis, die Schnee- und Kältebilder fand ich sehr gelungen.
Seit ich die Theaterszene für die Schwängerung in "Hable con Ella" total an den Haaren herbeigezogen fand, hätte ich nicht gedacht, daß ich einmal eine Schlittschuhfahrszene, und dann auch noch als Video, während die Schauspieler die Bühne verlassen haben, so passend und gut finden würde.
Video im Theater fand ich seit Kabale und Liebe im Maxim Gorki Theater, und das war 1996, eigentlich immer nur schrecklich, vor allem, wenn damit dann die in merkwürdigen Medien vielbeschworene Musikvideoästhetik a la Hamburger Bahnhof verwurstet wurde - aber: diesmal war es gut.
Es gibt eben keine Regel ohne Ausnahmen.

Außerdem war ich mal wieder im Tropeninstitut, ich hoffe, die Diagnosen liegen bald vor, der Arzt war sehr süß. Und ich habe Bauchschmerzen. Und sollte langsam mal wieder emails schreiben. Bäh.
11.9.06 19:13


"Die Rose, wie sie auch hieße, würde uns doch lieblich duften."
Natürlich heißt die andere Frau in "Sehnsucht" Rose.
Der Film ist, in abstract, ein Drama, aber das fällt mir erst 12 Stunden später auf, ein richtig schön aristotelisches, mit retadierendem Moment und allein Einzelheiten, aber es passiert eben nebenan, fast auf dem Kinositz neben einem, es verzichtet auf die Elemente, die aus einem Stück eine Erzählung machen, die in Anführungszeichen steht, auf einer Bühne, heruasgenommen, die Nebensächlichkeiten abrasiert, alles lang geformt bis nur noch das Stück übrig bleibt. Es kaut nämlich ein Hase eine wichtige Szene lang.
Am Ende wird das Stück doch noch einmal zusammengefaßt: Von Kindern auf einem Spielplatzgesrüst, in fünf Minuten inlusive bedächtigem Schweigen. "Irgendwie ist das irre romantisch", sagt ein Junge, höchstens zwölf, allerhöchstens. Jungen und Mädchen sitzen noch vereint auf dem Gerüst.
Den gleichen Satz hat irgendwann am Anfang des Films Markus' Frau gesagt.
Irgendwie ist das irre romantisch. Wenn es nicht gerade passiert.
9.9.06 14:09


So langsam bekomme ich ein Gefühl für das neue Jahrtausend. Es hat grellbunte Farben, die es nicht in der Natur gibt, weil nichts unmöglich ist.
Zuvor war alles gleich bedeutsam und miteinander verbunden. Aber die Postmoderne ist endgültig vorbei, auch wenn jeder etwas anderes über das denkt was sie abgelöst hat.

Eben kam ich an der Urania vorbei, da war ein Fest. Essen und kleine Kinder, die durch die Menge rannten. Vor der Tür standen drei Polizisten in grünen Uniformen, die habe ich gefragt, was da gefeiert wird. "Nichts besonderes", sagte einer der Polizisten, "ein Fest der iranischen Botschaft, irgend eine Feierlichkeit". An einer der offenen Türen saßen junge Mädchen mit Kopftüchern auf Bänken an einem Tischbock und aßen. Als ich vorbeiging, sagte eins der Mädchen "N'Abend!". Ich sagte "N'Abend ... und Guten Appetit!" Sie löchelten und winkten und ich ging nach Hause. Diese feierliche Stimmung, die ich durch die Glastüren beobachten konnte, kenne ich: müde Füße in selten getragenen Schuhen, Überall Bekannte, die auch mit Essen rumlaufen, viel zu Erzählen aber auch viel Lärm - aber ich war zu müde, um hineinzugehen. Man könnte da abtauchen und Leute kennenlernen die einen wieder einladen und in dieser Welt verschwinden. Aber ich war zu müde. Obwohl mich genau das interessiert. Obwohl ich das so vermisse, die Welt wie sie in Venezuela für mich war, auf eine gewisse Weise abgeschottet und klein und nah.
Aber bei diesem Fest, das war ihre Welt, und ich wäre ein Schmarotzer gewesen.
Ich vermisse eine Welt, aber ich warte.

Tatsächlich habe ich einen eigenen Schmarotzer, einen Bandwurm. Heute an der Theke des Tropeninstitutes fragte mich die Schwester: "Und, hat er einen Namen?"
Wurmi.
Ich esse dreimal so viel wie sonst und habe ständig Hunger. Das ist wirklich eine Horizonterweiterung für mich, das kannte ich nicht.

Eine Freundin von mir ist schwanger, die ißt noch normal. Das ist seltsam, es haben auch andere Freunde von mir Kinder oder waren schwanger, aber noch nie eine so enge Freundin mit der ich schon seit über zehn Jahren in regelmäßigen Abständen im Café sitze, sie neben mir habe und über alles rede - jetzt ist auf einmal noch jemand dabei währenddessen.

Bin seit gestern von der Nordsee zurück. Auf der Hinfahrt war die lange, einsame Fahrt durch die platte Heide noch schlimm für mich (Heimweh nach Venezuela und vielen lauten Menschen statt gesitteten stillen Senioren in Zweierreihen), auf dem Rückweg habe ich sie genossen - was verändert sich an mir? Ich beobachte Verädnerungen die ich nicht fassen kann.

Ich denke über Armut nach und finde alles platt was ich denke und trotzdem richtig. Gerade komme ich aus dem Film Sehnsucht von Valeska Grisebach.
Guter Film. Kein Thema.
Mich leuchtet immer wieder die Armut an.
Ich weiß, Armut ist ungerecht, und mein Kopf wird auch alles dagegen tun, es ist qusi einprogrammiert, daß Armut zu verändern ist, aber es berührt mich überhaupt nicht mehr. Berühren tun mich die Menschen und ihre Gefühle. Das ist was mir aus Venezuela bleibt und wie unwichtig die Armut war in der Familie in der ich gelebt habe.
Gefühle sind etwas anderes als Politik.
Aber was ist Politik?
9.9.06 00:06


hell-buntes Carácas

Leben in den Barrios staerkt die Beinmuskulaut. Die Gaenge zwischen den Hauesern gleichen sich wie die Haueser dem Berg an. Hoch und runter, Treppen, Stege ueber den Fluss hin und zurueck.
Mir war nichts fremd die ersten Tage und ich habe mich schon gefragt ob ich abgestumpft bin. Mir fiel nur auf, dass sich die Leute, anders als in Quito hier im Bus nicht auf den Boden setzen, wenn die Sitze alle belegt sind.
Aber heute war es wir im Zoo fuer uns. Treppauf, treppab, wir alle in Turnschuhen. Ich habe selten an einem Tag soviele Wangen gekuesst und mich so fremd in einer Gruppe gefuehlt, die ich ansonsten sehr mag und in der ich mich sehr wohlfuehle. Así es pero no sé, si así se hace ... (así se hace ist hier ein gefluegeltes Wort, weil ein Spanischlehrgang von J und C das am liebsten benutzte).
Mir faellt es schwer, emails zu schreiben, mehr als drei Zeilen Fragen kommt dabei nicht heraus, ueber hier schreibe ich nicht mal eben so was ich grad so mache: "Ach so, Du bist gerade beim Food-Festival in Norwegen, wie hats denn geschmeckt? WIe war es auf der Huette mit Deinem Freund und seinem Sohn? Hier ist uebrigens das Wetter gut, das Essen auch, die Gruppe nett, und heute waren wir im Slum."
Fuer unsere Gruppe gibt es einen Alphasmart, ein uraltes elektronisches Ding, in das wir alles tippen. Ich bewundere die anderen fuer ihre philosophischen Erguesse, auch wenn sie mich etwas aufregen ("Was ist Glueck?), und mir fallt nicht viel anderes ein als Scherze hineinzutippen. Ich mag Venezuela. Es gefaellt mir viel besser als Ecuador. Es ist definitiv weniger rassistisch, die Rassen haben sich mehr vermischt, und weiss ist nicht gleichbedeutend mit gut, reich und schoen, und die dunklen Maedchen schmieren sich auch keinen Klak ins Gesicht. Ausserdem ist es reicher als Ecuador, bzw. die Armen sind nicht so arm, denkt ueber Chavez was Ihr wollt. Aber jetzt muss ich mal der Schlange hinter mir Platz machen. Und vielleicht duschen. Viele Gruesse

hiesige Zeit: 18 h 21.
3.8.06 00:20


Il est

cinq heur, Paris se reveille ...
et dix heur, München ... ich habe gepackt. Ich werde nun noch etwas putzen und dann geht es los. In die groé weite Welt. Einmal halb um den Erdball. Die Erde ist so wahnsinnig groß und unrund. Und seit zwei Tagen habe ich wieder Internet zuhause und kann es noch gar nicht fassen. Komisch nachdem ich über eine Woche gar keinen Rechner mehr hatte. VOn hier zu bloggen ist doch etwas ganz anderes als aus dem Rechenpool an der Uni. Der Name Pool passt zur Zeut wirklich, man wird tropfnaß, so heiß ist es da, wobei ich nicht weiß, ob die Hitze mehr von den Rechnern verursacht wird oder von den Menschen.
Ich bin aufgeregt. Ich freue mich. Hm ... wie immer in solchen Momenten bringe ich nicht viel auf die Reihe. Ach ja, ich habe gestern zwei Zimmer angeguckt, eines spottbillig und nah, das andere weder noch, aber wunderbar. Komisch das. Während ich weg bin bekomme ich die Nachrichten welches mich nimmt. Vermutlich beide oder gar keins, so ist das immer. Einen Monat kein Radio ... wie werde ich das aushalten? Hm, keine Nachrichten vom aktuellen Krieg im Nahen Osten. Hm, und keine Parties an der Isar mehr. Wie schade. aber nun an die Schwämme - und dann los. Einen schönen Sommer!
29.7.06 09:45


Otra vez

nach langer Zeit mal wieder ein Eintrag. Computermäßig werde ich wirklich vom Pech verfolgt. Mein alter ist ja kaputt, ein neuer ist zwar bestellt, aber das Geld ist bei der Überweisung verloren gegangen (Sunny, Du kennst das ja. Danke übrigens für Deine sms! Ich habe mich sehr darüber gefreut!), und es gibt jetzt einen Nachforschungsantrag, der neue wird aber erst nach Ende meiner Diplomabgabefrist eintreffen.
Der Ersatzrechner, an dem ich inzwischen arbeite färbt bei Word bei jeder EIngabe alle Zeilen schwarz, wohl um sie als Änderung zu markieren, ich habe schon alles mögliche versucht, aber ich konnte es nicht ändern. Also arbeite ich in Wordpad und mit Copy und Paste und mit Blind schreiben und später öffnen und lesen und eben handschriftlich. Gestern habe ich mich schweren Herzens entschlossen, zu verlängern, auch wenn das bedeutet, daß sich diese harte Zeit noch verlängern wird, und morgen werde ich das meinem Prof unterbreiten, aber so schaffe ich es definitiv nicht bis nächsten Mittwoch.

Im August bin ich dann in Südamerika und im September werde ich die Arbeit hoffentlich zu Ende schreiben. Im Moment bin ich auch ziemlich k.o. und die Luft ist aus mir raus. Diese ganzen Rückschläge haben mich schon ganz schön zerknüllert.

Außerdem liefen in der Nacht von Samstag auf Sonntag auf Deutschlandfunk die Aussagen der Auschwitzprozesse einfach so, am Stück, Aussage für Aussage von überlebenden Häftlingen ohne Kommentar. Die Stimmen das erzählen zu hören ging mir näher als beispielsweise in Yad wa Shem grobkörnige Bilder zu sehen, denen das Alter immer schon mit aufgdruckt ist. Fotos beindrucken mich irgendwie nicht mehr so stark. Aber Stimmen, die ins Ohr kommen wie beim Telefonieren erinnern daran, wie real das ist. War. Und auch ist.
KZ-Überlebende sind, nachdem sie von den Engländern nach dem Krieg nicht nach Palästina hineingelassen wurden und nachts heimlich mit kleinen Boten von den Geisterschiffen die damals im Mittelmeer rumtrudelten und nirgendwo anlegen durften in den Dünen an Land gegangen und haben sich im Hinterland versteckt. Einige traumatisiserte Horden oder wie man sie bezeichnen will haben ganze palästinensische Dörfer in Brand gesteckt und die Bevölkerung brutal ermordet, und diese Vertreibung ist bis heute ein Thema und Trauma in der palästinensischen Bevölkerung, für das sie eine Entschuldigung haben wollen, die wiederum ... aber der ganze Konflikt ist ein Hin und Wiederum.

Im Moment sieht es aber eher nach einem klaren Krieg aus. In einer Nacht hab ich geträumt, in Jerusalem zu sein, während die Raketen fallen. An die Angst kann ich mich noch gut erinnern. Wenn man drin ist, kommt einem gar nicht der Gedanke, wie anders es sein könnte. Also anders schon, aber WIE anders - also Frieden - das ist da so weit weg.

Ansonsten: Meine Arbeit gliedert sich gerad von alleine um und ich weiß nicht wie ich da hinterherkomme. In meine geplante Gleiderung passt sie nicht. Ich habe so viel zu schreiben und tue das auch, aber wie da eine Systematik entstehen soll, ist mir schleierhaft. Leider! Das macht es ziemlich zum Pulverfaß. Wäre es ein Roman, könnte ich frühlich weitermäandern und alles da bringen, wo es hin paßt, ohne daß es geordnet ist - alles hat ja seinen Platz in der Argumentation, nur was schreibe ich da für Überschriften und 1.5.3 - Punkte rein?
Überhaupt bin ich sehr ... müde. Ich denke immer noch viel über das Thema Schwachsein nach. Und suche ein Zimmer und stelle mich vor und telefoniere ... und trage Hut zur Zeit. Das steht mir gut - auch wenn der Stock fehlt.
18.7.06 17:33


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