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So langsam bekomme ich ein Gefühl für das neue Jahrtausend. Es hat grellbunte Farben, die es nicht in der Natur gibt, weil nichts unmöglich ist.
Zuvor war alles gleich bedeutsam und miteinander verbunden. Aber die Postmoderne ist endgültig vorbei, auch wenn jeder etwas anderes über das denkt was sie abgelöst hat.

Eben kam ich an der Urania vorbei, da war ein Fest. Essen und kleine Kinder, die durch die Menge rannten. Vor der Tür standen drei Polizisten in grünen Uniformen, die habe ich gefragt, was da gefeiert wird. "Nichts besonderes", sagte einer der Polizisten, "ein Fest der iranischen Botschaft, irgend eine Feierlichkeit". An einer der offenen Türen saßen junge Mädchen mit Kopftüchern auf Bänken an einem Tischbock und aßen. Als ich vorbeiging, sagte eins der Mädchen "N'Abend!". Ich sagte "N'Abend ... und Guten Appetit!" Sie löchelten und winkten und ich ging nach Hause. Diese feierliche Stimmung, die ich durch die Glastüren beobachten konnte, kenne ich: müde Füße in selten getragenen Schuhen, Überall Bekannte, die auch mit Essen rumlaufen, viel zu Erzählen aber auch viel Lärm - aber ich war zu müde, um hineinzugehen. Man könnte da abtauchen und Leute kennenlernen die einen wieder einladen und in dieser Welt verschwinden. Aber ich war zu müde. Obwohl mich genau das interessiert. Obwohl ich das so vermisse, die Welt wie sie in Venezuela für mich war, auf eine gewisse Weise abgeschottet und klein und nah.
Aber bei diesem Fest, das war ihre Welt, und ich wäre ein Schmarotzer gewesen.
Ich vermisse eine Welt, aber ich warte.

Tatsächlich habe ich einen eigenen Schmarotzer, einen Bandwurm. Heute an der Theke des Tropeninstitutes fragte mich die Schwester: "Und, hat er einen Namen?"
Wurmi.
Ich esse dreimal so viel wie sonst und habe ständig Hunger. Das ist wirklich eine Horizonterweiterung für mich, das kannte ich nicht.

Eine Freundin von mir ist schwanger, die ißt noch normal. Das ist seltsam, es haben auch andere Freunde von mir Kinder oder waren schwanger, aber noch nie eine so enge Freundin mit der ich schon seit über zehn Jahren in regelmäßigen Abständen im Café sitze, sie neben mir habe und über alles rede - jetzt ist auf einmal noch jemand dabei währenddessen.

Bin seit gestern von der Nordsee zurück. Auf der Hinfahrt war die lange, einsame Fahrt durch die platte Heide noch schlimm für mich (Heimweh nach Venezuela und vielen lauten Menschen statt gesitteten stillen Senioren in Zweierreihen), auf dem Rückweg habe ich sie genossen - was verändert sich an mir? Ich beobachte Verädnerungen die ich nicht fassen kann.

Ich denke über Armut nach und finde alles platt was ich denke und trotzdem richtig. Gerade komme ich aus dem Film Sehnsucht von Valeska Grisebach.
Guter Film. Kein Thema.
Mich leuchtet immer wieder die Armut an.
Ich weiß, Armut ist ungerecht, und mein Kopf wird auch alles dagegen tun, es ist qusi einprogrammiert, daß Armut zu verändern ist, aber es berührt mich überhaupt nicht mehr. Berühren tun mich die Menschen und ihre Gefühle. Das ist was mir aus Venezuela bleibt und wie unwichtig die Armut war in der Familie in der ich gelebt habe.
Gefühle sind etwas anderes als Politik.
Aber was ist Politik?
9.9.06 00:06
 



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